Hafners Paradise

UBER DEN FILM

Die Begegnung mit Paul Maria Hafner, einem ehemaligen Waffen-SS Offizier, der in Spanien lebt, war mich mich abstossend und anziehend zugleich. Zum ersten Mal hatte ich die Gelegenheit mit einem Mitwisser, Mittäter und ideologisch gleichgeschalteten Autor des 3. Reiches zu sprechen. Als Österreicher mit Eltern, die während des Nazismus ihre Jugend verbrachten, eine unglaubliche Gelegenheit in die Vergangenheit zu tauchen, um in ihr Antworten zu suchen auf Fragen, die mir bisher unbeantwortbar erschienen.

Hafner execuitoner and victim Täter und Opfer

Auf meinem Weg diesen Film zu realisieren stiess ich v.a. in Österreich auf grosse Ablehnung seitens gewisser Leute, denen der Gedanke unmöglich erschien, einem ehemalgien SS-Offizier und KZ Mitwisser das Wort zu erteilen. Ich liess mich aber nicht davon abbringen, da ich davon überzeugt war, in dieser Begegnung etwas Neues und für mich persönlich Erschöpfendes zu finden.

Hafner en el mar

Hafners NS-Vergangeheit ist in unseren Breiten nichts Aussergewöhnliches. Es ist die Geschichte eines fanatisierten Jugendlichen, der sich in eine Welt hineinreissen liess, die er bis heute nicht verlassen hat. Ich hatte ihn nach monatelangen Recherchen entdeckt, und von Anfang an war es die Intensität, mit der er sich meinen Fragen auslieferte, die mich anzog. Mir war es wichtig ihm zuzuhören und zwischen seinen Worten den Menschen herauszuspüren, den Verblendeten, der sich benutzen liess, den Alten, der sich zu rechtfertigen sucht und den Zyniker, der Komplizen braucht. Zwischen uns entstand dabei eine Beziehung, die nicht leicht zu beschreiben ist.  Widersprüchliche Gefühle menschlicher Nähe entfalteten sich gleichzeitig mit verborgener Wut, Widerwillen und Verblüfftheit. Aber hinter all dem gab es immer eine schwer definierbare Verbindungslinie, die wir beide benutzten, um trotz enormer, meist unausgesprochener Differenzen miteinander zu kommunizieren.

Hafner en 2007     Hafner en 1941

                  Hafner, 2007                                          Hafner, 1941

Dass es mir viel schwerer fällt auf Deutsch einen Text zum Film zu schreiben als auf Spanisch oder Englisch, hängt wohl damit zusammen, dass ich mich hier an ein ganz anderes Publikum richte. Im Deutschen braucht es nur wenige Worte zum Film, denn sein Inhalt betrifft uns alle, er ist uns allen nahe und holt uns alle ein.

 Hafner con Blas Piñas  Interview mit Blas Piñar

Günter schwaiger