Martas Koffer 

UBER DEN FILM

Laut einer UN-Studie im Jahr 2011 ist in Europa der gefährlichste Ort für eine Frau ihr eigenes Zuhause.

Gewalt gegen Frauen ist immer noch ein gravierendes Problem in der modernen Gesellschaft, trotzdem sich die Gesetzeslage und institutionelle Arbeit in den letzten Jahren erheblich verbessert haben.  Denn es ist nicht genug, Strafen zu verschärfen oder Frauen mehr Schutz zu bieten,  ohne die Gesellschaft grundsätzlich zu verändern. "Gesellschaft zu verändern braucht Zeit", sagt Renate Hojas vom Gewaltschutzzentrum Salzburg, eine der Protagonistinnen des Films, und ich denke, sie hat Recht.

Martas Fall ist von besonderer Bedeutung, weil er mit vielen Klischees über Häusliche Gewalt bricht. Sie hat bis zum Mordversuch nie körperliche Misshandlung erlitten und sie kommt auch nicht aus marginalen Verhältnissen. "Es gibt kein Profil und es kann jede treffen“, sagt sie selbst im Film.  Marta ist eine starke Frau und ein Kämpferin, die sich auch nicht scheut, die Ineffizienz der Institutionen anzukreiden.

Für mich als Mann war auch sehr wichtig, mich der Männerseite zu nähern, um versuchen herauszufinden, was in einem gewalttätigen Mann vorgeht und was ihn zur Gewalt führt. In diesem Sinne finde ich die Arbeit von dem Männerberater Harald Burgauner, der als einer der renommiertesten Spezialisten auf diesem Gebiet in Österreich gilt, ganz besonders interessant. Ich war auch von den Polizisten, Richtern, Juristinnen und Sozialarbeiterinnen beeindruckt, die bereit sind, zusammen zu kommen, um aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln eine Lösung für das Problem zu finden. Von der Art, wie sie agieren, können wir viel lernen.

Günter Schwaiger